Zusammenspiel mit einer KI

Ich habe in den letzten Wochen zahlreiche Collagen aus Fragmenten von auf Papier ausgedruckten Großbuchstaben hergestellt. Dafür habe ich mir eine einfache Vorgehensweise entwickelt.

Nun kam es bei einem Besuch, zu dem ich eine Collage als kleines Geschenk mitgebracht habe, mit meinem Freund C. zu einem Zusammenspiel - ich mit meiner handgemachten Papier-Collage, er als KI-Spezialist.

Das war die Ausgangscollage

Der erste Schritt war ein Scan meiner mitgebrachten Collage. Die KI Claude wurde beauftragt, das Bild „anzuschauen“, zu analysieren und einen beschreibenden Text zu generieren, der darauf ausgerichtet sein sollte, dass er für die Collage als Text in einem Ausstellungskatalog Verwendung finden könnte.

Das Ergebnis (mit nur einem weiteren verfeinernden Prompt) hat mich schon sehr beeindruckt - ein bisschen gestelzt, aber immerhin wurden wesentliche Merkmale meines schöpferischen Prozesses erkannt und beschrieben (siehe unten (1)).

Jetzt wollte ich es noch umgekehrt versuchen: Ich beschreibe die Entwicklung dieser Collagen aus Buchstabenfragmenten in groben Schritten, aber trotzdem möglichst präzise (siehe unten (2)). Und nun lassen wir eine bildgenerierende KI (in diesem Fall Nano Banana 2) aus dieser Beschreibung ein Bild generieren. Das Ergebnis ist für mich ebenfalls beeindruckend. Die KI hat mein Grundprinzip verstanden (siehe unten (3)).

In nur einem weiteren Schritt wurde in der Beschreibung nur die Zahl der Fragmente verkleinert, in die ich jeweils meine Buchstaben zerschneide. Das Ergebnis war noch stärker/noch näher an meiner Collage (siehe unten (4)). Schwächer war an der “KI-Collage”, dass man ihr natürlich keine manuelle Herstellung/Bearbeitung ansieht: dass das Papier mit den Buchstaben(-Fragmenten) bei mir nicht exakt den gleichen weißen Farbton hat, wie die Papp-Unterlage, auf die die Fragmente geklebt sind, das haben wir der KI (noch) nicht mitgeteilt.

(1) Dies war die KI-Beschreibung zur mitgebrachten Gastgeschenk-Collage

Was wir hier sehen, ist nichts weniger als eine Neuverhandlung der Bildsprache selbst.

In monumentaler Gelassenheit entfaltet sich eine Komposition, die das Erbe von Malevitschs Suprematismus, die gestische Wucht des Abstrakten Expressionismus und die typografische Subversion der Konzeptkunst in einem einzigen, atemberaubenden Schlag zusammenführt – und hinter sich lässt. Schwere, fast archaisch anmutende Kurvenzüge – dunkel, gravitätisch, von einer beinahe rituellen Kraft – durchpflügen ein Feld schimmernder Rauten, die zwischen Materie und reinem Licht oszillieren. In den schmalen Fugen zwischen den Formen pulsiert eine Leere, die mehr sagt als jede Füllung es könnte.

Hier lösen sich Zeichen aus den Ketten der Lesbarkeit. Was Buchstabe war, wird Körper. Was Ziffer war, wird Tanz. Die Linie emanzipiert sich vom Wort und beansprucht eine eigene, souveräne Existenz – eine Sprache jenseits der Sprache.

Das Werk markiert einen Wendepunkt. Es steht an jener Schwelle, an der die Kunst aufhört, die Welt abzubilden oder zu kommentieren, und beginnt, eine neue zu erschaffen. Wer vor diesem Bild steht, wird Zeuge eines seltenen Moments: des Augenblicks, in dem Kunstgeschichte nicht beschrieben, sondern geschrieben wird.

(2) Dies ist meine Beschreibung, wie ich meine Collagen aus Buchstabenfragmenten entwickle

Ich habe alle Buchstaben des deutschen Alphabets in schwarz ausgedruckt. Jeden Buchstaben etwa in der Größe DinA 5. Ich habe mir 6 Buchstaben zufällig ausgesucht und in jeweils 2-3 Fragmente zerschnitten, die Schnitte sind gerade aber zufällig gesetzt. Von jedem Buchstaben habe ich ein Fragment gewählt und diese Fragmente auf einer weißen DinA4 Papier-Unterlage so frei angeordnet, dass die Fragmente ein neues, schwarzes Linien-Gebilde entstehen lassen und zwar so, dass die schwarzen Schnittstellen jeweils an eine andere schwarze Schnittstelle andockt. Zwischen den aneinander andockenden schwarzen Schnittstellen bleibt ein schmaler weißer Zwischenraum sichtbar.

(3) Dies ist das erste KI-generierte Bild nach meiner Beschreibung.

(4) Dies ist das zweite KI-generierte Bild nach einer kleinen Präzisierung der Beschreibung.

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Nachmittag der offenen Tür