KOPIEREN KAPIEREN
“KOPIEREN KAPIEREN” ist ein Projekt von Dirk von Gehlen, dem ich schon eine Zeit lang auf unterschiedlichen Kanälen folge. Zum Jahreswechsel hat er dieses Projekt gestartet. Er wird ein Jahr lang immer mittwochs einen NL verschicken um darin das Phänomen der Kopie bzw. des Kopierens zu umkreisen und zu untersuchen.
Bei mir hat das Thema “KOPIEREN” sofort Resonanz ausgelöst. Zum einen basiert mein eigenes schöpferisches Spiel oft auf einer Art des Kopierens, in dem ich etwa bei Austellungsbesuchen fotografiere, um dann später in meinem Atelier in Buttenhausen das eine oder andere zu imitieren, zu kopieren - eigentlich um zu probieren, zu variieren, um eigene Erfahrungen und Entdeckungen zu machen. Kunst-Rezeption hört bei mir also oft nicht an der Ausgangstür der Galerie oder des Museums auf, was mich interessiert und inspiriert wirkt oft übers Kopieren/Immitieren weiter und wird so etwas Eigenes.
In Playing Arts-Prozessen in Gruppen haben wir die Teilnehmenden oft ermutigt, sich zu erlauben, andere(s) zu kopieren, etwas nachzumachen oder zu immitieren, denn in diesem “Spiel-Prozess” entsteht leicht Eigenes und Neues.
Kopieren und Immitieren, um dem Original den Lohn zu stehlen, das ist unanständig. Aber als Teil eines kreativen Prozesses ist die Selbsterlaubnis zur variierten Kopie ein echter Wert.
Dirk von Gehlen führt dafür im ersten NL die “lobenswerte Kopie” ein und nennt drei Punkte, die er als Definition der “lobenswerten Kopie” sieht:
“Dennoch zu Beginn meine Definition dessen, was ich als lobenswerte Kopie verstehe:
Glaubwürdig: Die lobenswerte Kopie legt erstens ihre Vorlagen und Bezugnahmen offen. Als Faustregel verwende ich den Vergleich zur Ironie: eine Aussage kann auch nur dann als Ironie verstanden werden, wenn der Bezugsrahmen vorher klar war.
Neu: Zum zweiten muss eine lobenswerte Kopie etwas Neues erschaffen. Sie muss der Vorlage etwas ergänzen oder nehmen, sie darf sie in jedem Fall nicht einfach nur vervielfältigen.
Schöpferisch: Genau in dieser Neuheit kann das liegen, was für das Lob drittens notwendig ist: der eigene Beitrag, die eigene ergänzende Leistung. Diese kann man technisch, handwerklich oder kontextuell beschreiben, aber sie ist dringend erforderlich, um von einer lobenswerten Kopie zu sprechen.”
Ich finde, das sind drei Punkte, die auch eine Qualität von Playing Arts-Prozessen kennzeichnen können.